Montag, 20. Mai 2013

Weichei

In einem Facebook-Beitrag – Sie können das wahrscheinlich nicht sehen, denn ich bin da konservativ und schalte mein Profil nur für mir näher Bekannte frei – postete ich kürzlich: Selbstverständlich fahre ich am Golfplatz nicht Cart, sondern gehe. Wer am Golfplatz Cart fährt, ist ein Weichei.

Zum Beweis stellte ich ein kurzes Video dazu: Kollege R. und ich auf dem formidablen Glashedy-Linkskurs von Ballyliffin an Irlands stürmischer Nordwestküste. Sie können es sich ein paar Zeilen weiter unten eh anschauen. Der Wind pfiff und ich trug sechs Schichten Gewand, kurz vor Entstehen der Aufnahme war der Himmel noch dunkelschwarz und ein sogenannter "Hailstorm" (Eiskugeln von beachtlicher Größe) hätte uns fast aufgefressen. R. präferierte angesichts dieser Bedingungen das E-Cart.

Ich: nicht.

Am Ende des Clips sehen Sie R. im Wagerl davon fahren. Ich vermute: auch deshalb, weil ich vor lauter Glück lauthals "Dirty Old Town" sang. Sonst mache ich so etwas eher nicht, denn ich kann nicht singen und habe mich außer auf irischen Linksgolfplätzen so gut wie immer im Griff. Weil ich dem Umfeld die Belastung meines zur Gänze abwesenden musikalischen Talentes nicht antun möchte.

Warum ich sang? Linksgolf in Irland ist halt auch im schönen Mai Golfspiel unter minütlich wechselnden Bedingungen. Auf einer irischen Linksgolfrunde hast du immer alles, Sommer und Winter und Frühling und Herbst. Wobei: wenig Sommer, viel Winter. Regen ist so gut wie immer dabei und der Wind ist in Irland halt der Sturm, wie Gott ihn sich gedacht hat. Ich mag das, denn im Gegenzug hast du mit dem Wind auch Weite und Wellen und kannst dir von allen Dreien die Seele streicheln lassen.

Ich brauche das sogar und bin dort dann jeweils vollends mit mir im Reinen. Mein ansonsten im verwaschenen Grau des österreichischen Alltags-Pallawatsch permanent trauriges Herzerl geht mir in Irlands Links vor Glück immer über. Dann ist mir einfach zum Singen. Nicht erst einmal habe ich verstohlen ein kleines Tränchen der Glückseligkeit zerquetscht, als ich an einer Dünenkante stand und auf den Atlantik blickte, der Wind meine Nase umtoste und ich mir sagen konnte, dass ich jetzt gerade da war, wo ich am liebsten ständig sein würde. Immer nehme mir dann vor, diese Insel nie, nie, nie mehr zu verlassen. Doch dann steige ich, mo chroí in pian, Tage später dennoch immer wieder zu einer unverschämt frühen Tageszeit in den Aer-Lingus-Flieger zurück ins grundgrantige Österreich und weiß gar nicht, warum jetzt eigentlich.

Aber irgendwann, ich schwöre Ihnen das, bleibe ich einfach dort.

Dass ich´s bisher noch nicht tat: Naja, wahrscheinlich bin ich halt doch ein Weichei. Und wie zum Beweis: Gestern hatte ich im schönen Gaupmannsgraben im niederösterreichischen Alpenvorland ein längeres Gespräch mit dem ehemaligen Rallye-Weltmeister und nunmehrigen Golfverbands-Präsidenten Franz Wittmann. Ein ausgesprochen freundlicher und netter Mensch. Danach ließ er mich nicht gehen, ohne dass ich nicht vorher eine Runde auf seinem Golfplatz "Adamstal" gespielt hätte. Die Anlage zieht sich durch die Täler und über die Berge, ist also ein ganz schönes Auf und Ab. Nicht, dass wir uns jetzt missverstehen – das ist ein erstklassiger, wunderschöner Golfplatz. Desöfteren wurde der Anlage bereits das Prädikat "Österreichischer Golfplatz des Jahres" verliehen. Ich saß auch schon das eine oder andere Mal in der Jury und habe dem immer höchst erfreut zugestimmt.

Aber es geht halt rauf und runter und weil Wittmann und ich uns verplaudert hatten, somit am Ende meiner Runde die Dunkelheit drohen würde, schlug er mir vor, ein Cart zu nehmen. Und ich: willigte ein. Ehrlich, ich war darüber gar nicht einmal unfroh.

Ich bin halt doch faul und außerdem, siehe oben in Sachen Linksgolf, viel zu nahe am Wasser gebaut. Ein Weichei eben, doch also. 

Mittwoch, 1. Mai 2013

Landeshauptfrau

Besuch bei Gabi Burgstaller, der Salzburger Landeshauptfrau, die sich gerade im schwersten Abwehrkampf gegen den Verlust ihres Jobs befindet. Am Sonntag wird ja gewählt, sie gab mir eines der letzten, wenn nicht vielleicht sogar das letzte größere Interview vor dem Salzburger Urnengang.

Ich kann folgendes verraten: Frau Burgstaller hat eine Ankündigung gemacht, die zwar nicht völlig überraschend ist, in dieser Klarheit jedoch neu. So deutlich hat sie das noch nie gesagt, man durfte bisher bloß spekulieren. Kaufen Sie sich doch bitte das FORMAT, welches morgen Abend in der Wiener Kolportage und am Freitag dann österreichweit am Kiosk erhältlich ist, da können Sie das im Detail nachlesen, danke.

Bild: René Prohaska / FORMAT
Mein Eindruck abseits der Facts: Gabi Burgstaller ist im kleinen Grüppchen der professionelleren Politiker zuhause.

Freundlich sind sie ja alle, wenn sie mit einem Journalisten reden. Bei Burgstaller hat man aber das Gefühl, die meint es auch so – man muss sich fast ein wenig dazu zwingen, sich daran zu erinnern, dass in der Politik derzeit alles immer nur Show ist. Vor allem im Wahlkampf. Aber sie begrüßt dich mit Namen, hat sich also zumindest vorab informiert, was bei der heutigen Politiker-Generation nicht selbstverständlich ist. Vor und nach dem Gespräch findet sie trotz Totalstress Zeit für ein bissl freundliches Smalltalken: Goodwill schaffen nennt man das wohl, ist aber in Ordnung so.

Was denn, Ihr vierter Kaffee ist das heute erst?, fragt sie zum Beispiel nach Abschalten des Diktiergerätes am Sprung zu ihrem nächsten Termin, also – ich hatte jetzt gerade meinen fünften.

Auf mich erweckt Gabi Burgstaller den Eindruck, als

Dienstag, 30. April 2013

Salzburger Taxler

Ich öffne den Schlag des großen BMW, beuge mich ins schwarz blitzende Auto, duftendes Leder becirct meine Nase.

Nehmen Sie den Wagen vor mir, sagt allerdings Taxifahrer Velickovic und macht nicht den Eindruck, als habe er besonderes Interesse an einem neuen Fahrgast. Aber nicht mit mir. Ich habe schon desöfteren gelesen und das von einem Vertreter des Taxigewerbes sogar kürzlich erst bestätigt erhalten, dass Fahrgäste sich am Standplatz den Wagen aussuchen dürfen und keinesfalls gezwungen sind, den vordersten zu nehmen.

Ich will aber mit Ihnen fahren, antworte ich nach einem raschen Seitenblick auf den durchaus desolat wirkenden Minivan vor dem BMW und lasse mich weich ins beige Leder fallen. Velickovic grunzt irgendwas, innerlich flucht er mich wahrscheinlich gerade zum Teufel.

Zum Chiemseehof bitte, sage ich.

Ist das ein Hotel?, will Velickovic wissen.

Nein, das ist der Sitz der Salzburger Landesregierung, antworte ich.

Kenne ich nicht, sagt er.

Aha, sage ich, das macht aber eh nichts, fahren Sie mich bitte einfach nur hin.

Wo ist das und wie soll ich fahren?, fragt Velickovic.

Das weiß ich nicht, sage ich, denn

Sonntag, 28. April 2013

Valderrama

Stellen Sie sich vor, ein Golfplatz in einer Gegend, in der es keinen Winter gibt. Man ist unter sich und das bedeutet, man hat ziemlich viel Geld. 400 Mitglieder, mehr nicht. Gäste sind nur in Ausnahmefällen erlaubt, man vergibt Greenfees bloß an einigen Tagen in der Woche, selbst dann gibt es Startzeiten für Klubfremde lediglich zwischen 12 und 14 Uhr. Der Klub startete vor Jahrzehnten mit einem Kapital von 80 Millionen Euro nach heutigem Geld, jedes Jahr kommen zumindest 3,6 Millionen an Beiträgen der ausgewählten 400 dazu. Geld ist also kein Thema.

Angenommen, Sie spielen Golf: Könnte Ihnen das gefallen?

Wenn ich ehrlich bin: mir schon. Zwar hätte ich nie im Leben die 200.000 Euro Einschreibgebühr, die fließen müssten, wollte ich Mitglied im berühmten Klub von Valderrama an Spaniens sommerlicher Costa del Sol werden, Europas angeblich exklusivstem Golfplatz. Und selbst wenn, man hätte mich dort nicht genommen. Denn Journalisten sind unter den Mitgliedern aus aller Welt nicht so beliebt, wie gesagt: Man ist unter sich und will das gerne bleiben.

Alle paar Monate einmal lassen sie allerdings ein paar von uns für einen kurzen Lokalaugenschein rein, sind freundlich, zeigen alles her, laden uns auf Speis und Trank ein und

Samstag, 27. April 2013

Agnetha

Auf dem Cover sehe ich dieses Gesicht und später im Heft dann noch einmal, das ich kenne oder auch nicht.

Diese Frau aus der Vergangenheit mit Falten um die Augen, die neu sind, mir unbekannt. Ich habe eine jugendlichere Erinnerung im Kopf. Das vorsichtige Lächeln hingegen war auch früher schon da, aus dem man nicht ableiten kann, wie es ihr gerade geht, ob sie tatsächlich fröhlich ist oder es nur vorgibt. Und sowieso sind die blonden Schwedenhaare völlig unverändert geblieben durch die Jahrzehnte.

Wer so alt ist wie ich oder ein bißchen jünger oder auch ein bißchen älter, für den ist dieses Gesicht Alltag, vertrauter Begeliter aus längst vergangenen Zeiten. Agnetha Fältskog ein Name, mit dem der Nachwuchs von heute zwar nichts anfangen kann – aber wer vor drei, vier Jahrzehnten jung war, kennt ihn. Früher war die blonde Schwedin nämlich berühmt auf der ganzen Welt. Sie ist das erste oder letzte A der Popgruppe Abba, war damals fester Bestandteil aller Illustrierten, TV-Shows und überhaupt jener Medien, die über Reiche, Schöne und Singende schrieben.

Auch ich habe damals den skandinavischen Kitsch-Pop zwischenzeitlich immer wieder mal rauf und runter gehört. Selbst heute noch kann ich keinen der Songtitel von damals lesen, ohne dass mich dann sofort