Heute spare ich allen hier sonst üblichen Humor aus, weil mir die Sache irgendwie ernst erscheint.
Was ist nämlich davon zu halten, wenn ein Polizist kurz vor dem Örtchen Semmering in Fahrtrichtung Mürzzuschlag am Straßenrand der Bundesstraße in seinem Auto sitzt, in die Luft schaut, dann plötzlich heraus springt und ein Fahrzeug anhält (26. Mai um 10:30 Uhr). Und behauptet, er habe gerade mit einer Laserpistole eine Geschwindigkeitsüberschreitung gemessen. Sowie nach der Reaktion des angehaltenen Fahrers (Das glaube ich Ihnen nicht, ich habe ja gesehen, dass Sie im Auto gesessen sind und nichts getan haben) derart zu schreien beginnt, dass das Kind am Rücksitz vor lauter Schreck zu weinen beginnt.
Wie ist es zu verstehen, wenn der Bulle, vom angehaltenen Autofahrer mühsam wieder ein wenig beruhigt, dann sagt: Sie haben jetzt die Wahl, das kostet 30 Euro bar auf die Hand und wir vergessen die Sache, oder Sie erhalten eine Anzeige, ich sage Ihnen aber gleich, dann wird das für Sie viel teurer.
Ist das korrekt, wenn der Polizist danach die Aufforderung, sofort eine Karte mit seiner Dienstnummer auszuhändigen, mit einem süffisanten Grinsen sowie dem Satz quittiert: Das geht nicht, die habe ich zu Hause vergessen.
Und ist das Angst oder Wut beim Ordnungshüter, wenn er nach der folgenden Ankündigung des Autofahrers, sofort nach Pfingsten bei der Innenministerin anzurufen und sich zu beschweren, heftig zu zittern beginnt - und seine Dienstnummer erst recht nicht hergibt. Aber hektisch zu notieren anfängt und den Kommentar des Autofahrers, dass er auf diesen einen eigenartig verwirrten bis irgendwie nicht wirklich nüchternen Eindruck erwecke, mit folgender, durchaus ein wenig gestammelten Drohung beantwortet: Ich lasse mir von Ihnen nichts unterschlagen, schon gar nicht Amtsmissbrauch, passen Sie auf, das wird für Sie ernste Konsequenzen haben.
Darf ein entrüsteter Autofahrer und Staatsbürger in so einem Fall entgegnen: Erstens, aber das lernt man auf der Polizeischule wahrscheinlich nicht, haben die Worte "Unterschlagung" und "Unterstellung" völlig unterschiedliche Bedeutungen. Und wenn man zweitens sagt, das erweckt bei mir den Eindruck, dass..., ist das noch lange nicht die Behauptung einer Tatsache, sondern bloß die Schilderung einer persönlichen Empfindung, jedenfalls eher nicht der Vorwurf eines Amtsmissbrauchs.
Ich stelle mir jetzt jedenfalls einige Fragen:
Kann man sich als Staatsbürger gegen ein so indiskutables Vorgehen eines Polizisten wehren? Ist es üble Nachrede, wenn ein Polizist jemanden bei einer Verkehrskontrolle ohne jeden Grund der Unterschlagung bezichtigt? Ist es üblich, dass Provinzpolizisten allein (und somit ohne Kollegen, die als Zeugen herhalten könnten) Verkehrskontrollen durchführen? Dabei Laserpistolen bedienen (oder das zumindest behaupten)? Ist es üblich, dass Amtsorgane im Umgang mit Staatsbürgern so brüllen, dass kleine Kinder in Tränen ausbrechen? Und hat es Konsequenzen, wenn ein Polizist die Herausgabe seiner Dienstnummer verweigert? Welche Konsequenzen? Werden österreichische Polizisten, die zu Bürgern Kontakt haben, regelmäßig auf psychische Gesundheit untersucht? Kommt es vor, dass Polizisten in alkoholisiertem Zustand Verkehrskontrollen durchführen - und falls das so ist, wer hat das wie zu verantworten?
Vor allem: Wird die Innenministerin, wenn ich ihrem Pressesprecher am Dienstag nach Pfingsten diese Fragen stelle, Auftrag geben, die Identität des Polizisten ausfindig zu machen? Wird der Mann sein Verhalten rechtfertigen müssen und die Verweigerung der Herausgabe der Dienstnummer Konsequenzen haben? Welche?
P.S. Die Strafe wegen der Anzeige für zu schnelles Fahren, auch wenn mir die behauptete Messung mit Laserpistole ein wenig fragwürdig erscheint, siehe oben, zahle ich natürlich. Aber ich mag es gar nicht, wenn ein selbstherrlicher Bulle durch skandalöses Herumbrüllen ein kleines Kind, das zufällig in meinem Auto sitzt, in Angst und Schrecken ausbrechen lässt. Dagegen muss man sich einfach wehren. Davon abgesehen bin ich der Meinung: Geschwindigkeitsbeschränkungen sind unbedingt einzuhalten. Immer. Überall.
Sonntag, 27. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
Wie ich dem Scheich die Hand reich
Gott sei Dank war ich letzte Woche im Kino: "Salmon Fishing in the Yemen".
Super Film, Ewan MacGregor ist zu meiner ganzheitlichen Überraschung ein richtig guter Schauspieler (ich kannte den bislang hauptsächlich als lichtschwertschwingenden Jedi aus Star Wars, da sind die darstellerischen Möglichkeiten etwas limitiert). Der schottische Akzent mit dem rrrrrollenden R, schon fast nahe am Irischen: kommt bei mir sowieso immer voll gut.
Und Emily Blunt erst, hohoo, meine Damen und Herren!
Muss jetzt glatt einmal überdenken, ob ich mir aus allen berühmten Actrissen wirklich nach wie vor Salma Hayek rauspicken würde, könnte ich wie ich wollte.
Aber eigentlich hatte ich gar nicht vor, ihnen das zu erzählen, sondern: Im Film kommt ein jemenitischer Scheich vor, ob gut oder doch ein bissl böse, man weiß das nicht so genau. Angesprochen wird er jedenfalls mit "Excellency". Mir hat das 90 Minuten lang recht gut gefallen.
Und wie das Leben so spielt: Gestern telefonierte ich über eine Stunde lang mit einem echten Scheich, dem laut Magazin "Arabian Business" zweitreichsten Araber, was kein Schmutz ist wenn man bedenkt, dass Saudi-Araber ja landläufig eher den wohlhabenden Menschen zugeordnet werden. Forbes stuft ihn als Nummer 133 unter den Reichsten der Welt ein. Sprich ihn am besten mit "Your Highness" an, sagte mir sein österreichischer Vertreter im Vorfeld. Und wenn das Gespräch einmal im Laufen ist und sich alles okay entwickelt, kannst du dann vorsichtig auch "Sheik Mohamed" zu ihm sagen.
Das Telefonat war interessant, der Scheich freundlich, höflich und und in Sachen Arabischer Frühling kompetent, ich bekam einen ganz guten Eindruck und habe ihm den Philantropen abgenommen (er kümmert sich neben seinem Business um die Verbesserung der Beziehungen zwischen arabischer Welt und Europa).
Und ich konnte ihm verbal gut die Hand reichen, indem ich variierte. Denn dank Kinobesuch kam zusätzlich zum avisierten Your Highness zwischendurch überraschend auch die zweite angebrachte Anrede zum Einsatz: May I have your assessment, Excellency..., said I, most politely. Und die Sache funktionierte - es wurde ein gutes Gespräch. So ging sich dann sogar noch ein lockereres Sheik Mohamed aus, ohne grob daneben zu hauen.
Da soll aber jetzt noch einer sagen, dass Kino nicht bildet.
Super Film, Ewan MacGregor ist zu meiner ganzheitlichen Überraschung ein richtig guter Schauspieler (ich kannte den bislang hauptsächlich als lichtschwertschwingenden Jedi aus Star Wars, da sind die darstellerischen Möglichkeiten etwas limitiert). Der schottische Akzent mit dem rrrrrollenden R, schon fast nahe am Irischen: kommt bei mir sowieso immer voll gut.
Und Emily Blunt erst, hohoo, meine Damen und Herren!
Muss jetzt glatt einmal überdenken, ob ich mir aus allen berühmten Actrissen wirklich nach wie vor Salma Hayek rauspicken würde, könnte ich wie ich wollte.
Aber eigentlich hatte ich gar nicht vor, ihnen das zu erzählen, sondern: Im Film kommt ein jemenitischer Scheich vor, ob gut oder doch ein bissl böse, man weiß das nicht so genau. Angesprochen wird er jedenfalls mit "Excellency". Mir hat das 90 Minuten lang recht gut gefallen.
Und wie das Leben so spielt: Gestern telefonierte ich über eine Stunde lang mit einem echten Scheich, dem laut Magazin "Arabian Business" zweitreichsten Araber, was kein Schmutz ist wenn man bedenkt, dass Saudi-Araber ja landläufig eher den wohlhabenden Menschen zugeordnet werden. Forbes stuft ihn als Nummer 133 unter den Reichsten der Welt ein. Sprich ihn am besten mit "Your Highness" an, sagte mir sein österreichischer Vertreter im Vorfeld. Und wenn das Gespräch einmal im Laufen ist und sich alles okay entwickelt, kannst du dann vorsichtig auch "Sheik Mohamed" zu ihm sagen.
Das Telefonat war interessant, der Scheich freundlich, höflich und und in Sachen Arabischer Frühling kompetent, ich bekam einen ganz guten Eindruck und habe ihm den Philantropen abgenommen (er kümmert sich neben seinem Business um die Verbesserung der Beziehungen zwischen arabischer Welt und Europa).
Und ich konnte ihm verbal gut die Hand reichen, indem ich variierte. Denn dank Kinobesuch kam zusätzlich zum avisierten Your Highness zwischendurch überraschend auch die zweite angebrachte Anrede zum Einsatz: May I have your assessment, Excellency..., said I, most politely. Und die Sache funktionierte - es wurde ein gutes Gespräch. So ging sich dann sogar noch ein lockereres Sheik Mohamed aus, ohne grob daneben zu hauen.
Da soll aber jetzt noch einer sagen, dass Kino nicht bildet.
Montag, 21. Mai 2012
Magna ohne laude
Heute Anruf bei Stronachs Magna, ich bräuchte eine kleine Information von denen. Im Internet, Magna-Website, immerhin ein Weltkonzern: ein eMail-Kontaktformular, eine kanadische Telefonnummer für "Media Inquiery", aber kein Name eines europäischen, wenn schon nicht eines österreichischen Ansprechpartners. Plus, nach langem Navigieren durch die Menüs, die Nummer der Telefonzentrale in Oberwaltersdorf.
Genau so mögen die Kolleginnen, Kollegen und ich das: Wenn du ein eMail ins Nirwana absetzen musst, um, meistens dringend, eine Info zu bekommen. Erfahrungsgemäß kommt dann nämlich nie was zurück. Ich hatte es aber auch schon, dass sich drei, vier Wochen später ein ganz wichtiger Pressemensch meldete, der fürchterlich enttäuscht war, als ich ihm mitteilte: knapp zu spät, leider.
Also wie gesagt Anruf bei Magna in Oberwaltersdorf, Telefonzentrale, ich frage:
Guten Tag, könnten Sie mir bitte sagen, wer Ihr Pressesprecher ist?
Die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung:
Nein, kann ich leider nicht, aber wissen Sie was, ich könnte Sie mit der Pressestelle verbinden, dort arbeitet eine Frau Treese.
Bevor ich etwas dazu sagen kann Warteschleife, minutenlang, dann wieder die Telefonistin:
Es scheint jetzt so zu sein, dass in der Pressestelle niemand abhebt, probieren Sie es später wieder? Ich verbinde Sie dann gerne.
Ich: Gut, geben Sie mir bitte die Durchwahl von Frau Treese.
Telefonistin: Probieren Sie es später wieder? ich verbinde Sie dann gerne.
Ich: Mache ich, aber könnten Sie mir nicht einfach die Durchwahl geben?
Telefonistin: Leider, das kann ich nicht.
Ich: Aber ist das nicht ein wenig ungewöhnlich, wenn ein Unternehmen einem Journalisten die Durchwahl der Pressestelle nicht gibt?
Telefonistin: Dazu kann ich eigentlich gar keine Auskunft geben.
Ich: Sagen Sie mir wenigstens doch den Namen Ihres Pressesprechers?
Telefonistin: Dazu kann ich gar keine Auskunft geben.
Immerhin hat sie diesmal das "eigentlich" weggelassen. Aber weil ich wenig Bock auf die Fortführung dieser spannenden Unterhaltung habe, bitte ich um Rückruf, die Telefonistin darauf:
Aber gerne, ich kann der Kollegin in der Pressestelle ein Mail schreiben, dass Sie sie zurückrufen soll.
Ich: Kann es sein, dass Magna ein recht bürokratisch funktionierendes Unternehmen ist?
Telefonistin: Dazu kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben.
Ich merke, so macht das wenig Sinn. Also beende ich das Gespräch höflich. Ich glaube insgesamt nicht, dass Magna auf diese Weise viel Lob bei den Medien einheimst. Geht mich aber wiederum weniger an. Eigentlich.
Jetzt warte ich einmal auf den Rückruf, ich tippe: Kommenden Freitag wird es soweit sein, weil da eine Geschichte erscheint, in der Frank Stronach vorkommt, aber ohne sein Zutun. Frau Treese wird dann ziemlich wütend sein und fragen, warum ich bei Magna nicht angefragt habe, was Stronach dazu zu sagen hat.
Ich jedoch werde mich als Telefonist ausgeben und sagen: Es scheint so zu sein, dass in der Redaktion derzeit niemand abhebt. Bitte probieren Sie es später wieder, ich verbinde Sie dann gerne.
Genau so mögen die Kolleginnen, Kollegen und ich das: Wenn du ein eMail ins Nirwana absetzen musst, um, meistens dringend, eine Info zu bekommen. Erfahrungsgemäß kommt dann nämlich nie was zurück. Ich hatte es aber auch schon, dass sich drei, vier Wochen später ein ganz wichtiger Pressemensch meldete, der fürchterlich enttäuscht war, als ich ihm mitteilte: knapp zu spät, leider.
Also wie gesagt Anruf bei Magna in Oberwaltersdorf, Telefonzentrale, ich frage:
Guten Tag, könnten Sie mir bitte sagen, wer Ihr Pressesprecher ist?
Die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung:
Nein, kann ich leider nicht, aber wissen Sie was, ich könnte Sie mit der Pressestelle verbinden, dort arbeitet eine Frau Treese.
Bevor ich etwas dazu sagen kann Warteschleife, minutenlang, dann wieder die Telefonistin:
Es scheint jetzt so zu sein, dass in der Pressestelle niemand abhebt, probieren Sie es später wieder? Ich verbinde Sie dann gerne.
Ich: Gut, geben Sie mir bitte die Durchwahl von Frau Treese.
Telefonistin: Probieren Sie es später wieder? ich verbinde Sie dann gerne.
Ich: Mache ich, aber könnten Sie mir nicht einfach die Durchwahl geben?
Telefonistin: Leider, das kann ich nicht.
Ich: Aber ist das nicht ein wenig ungewöhnlich, wenn ein Unternehmen einem Journalisten die Durchwahl der Pressestelle nicht gibt?
Telefonistin: Dazu kann ich eigentlich gar keine Auskunft geben.
Ich: Sagen Sie mir wenigstens doch den Namen Ihres Pressesprechers?
Telefonistin: Dazu kann ich gar keine Auskunft geben.
Immerhin hat sie diesmal das "eigentlich" weggelassen. Aber weil ich wenig Bock auf die Fortführung dieser spannenden Unterhaltung habe, bitte ich um Rückruf, die Telefonistin darauf:
Aber gerne, ich kann der Kollegin in der Pressestelle ein Mail schreiben, dass Sie sie zurückrufen soll.
Ich: Kann es sein, dass Magna ein recht bürokratisch funktionierendes Unternehmen ist?
Telefonistin: Dazu kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben.
Ich merke, so macht das wenig Sinn. Also beende ich das Gespräch höflich. Ich glaube insgesamt nicht, dass Magna auf diese Weise viel Lob bei den Medien einheimst. Geht mich aber wiederum weniger an. Eigentlich.
Jetzt warte ich einmal auf den Rückruf, ich tippe: Kommenden Freitag wird es soweit sein, weil da eine Geschichte erscheint, in der Frank Stronach vorkommt, aber ohne sein Zutun. Frau Treese wird dann ziemlich wütend sein und fragen, warum ich bei Magna nicht angefragt habe, was Stronach dazu zu sagen hat.
Ich jedoch werde mich als Telefonist ausgeben und sagen: Es scheint so zu sein, dass in der Redaktion derzeit niemand abhebt. Bitte probieren Sie es später wieder, ich verbinde Sie dann gerne.
Mittwoch, 16. Mai 2012
Billy
Nicht das Bücherregal. Der Sänger, der mir heute früh durch den Kopf lärmte, weil die Arbeiter vom Hausbau gegenüber ihr Radio voll aufdrehten und ich die Balkontür offen hatte. Da schläfst du The longest time, und dann reißt dich so etwas aus dem Schlaf...
Hat mich aber prompt nach früher versetzt, als ich in der Spätpubertät meiner zu Ende gehenden Zwanziger Billy Joel tatsächlich mochte und ihn manchmal rauf und runter hörte. Erinnere mich nicht mehr so gerne daran, heute bin ich mehr für Irish Working Class Punk oder so. Aber ich weiß noch, wie ich mit Gabi, einer Ex-Studienkollegin, extra von Wien nach Salzburg fuhr. Zu einem Joel-Open-Air am Residenzplatz.
Schon unterwegs befeuerte ein Freund mit Terrassen-Wohnung gleich vor Ort ums Eck unseren Enthusiasmus: Er rief an, hielt einfach den Telefonhörer in die Luft und irgendwo bei St. Pölten kriegten wir live einige Takte der letzten Tonprobe mit. Ich gab meinem braven VW Golf gleich den Tritt und floored the gas like the accelerator of a 64-Corvette, um es im Joel-Sprech zu sagen.
Das Konzert war der Hammer, allerdings weniger der Musik wegen. Gabi, die durchaus hochseriös sein kann (so begleitete sie mich etwa jüngst erst als ausgezeichnete Dolmetscherin zu einer Recherche nach Triest) gab nämlich im besten Beatles-Girlie-Style w.o.
Bereits während der langen Wartezeit auf Herrn Joel, die wir am voll befüllten Residenzblatz verbrachten, setzte sie als vermutlich größter Fan aller Zeiten sorgfältig gekreischte Billy-Rufe in Richtung Menge ab. Dann Auftritt, mittendrin sah ich einmal zu ihr rüber, sie war glücklich, dann sah ich auf die Bühne, dann sah ich wieder zu ihr rüber, sie war weg. Kam mir im ersten Moment komisch vor, denn bei so vielen Menschen, alle dicht gedrängt, gab es einfach keine Möglichkeit, sich in zwei Sekunden in Luft aufzulösen. Als ich mir das noch überlegte, bildete sich plötzlich ein Halbkreis, die Menge wich vor mir wie von Geisterhand geschoben zurück. Weil ich weiß, dass ich weder Jesus noch die Dornfingerspinne bin, wunderte mich das schon. Ich sah nach unten und da lag Gabi, frisch kollabiert vor lauter Joel-Begeisterung.
Aber die lieben Leute!
Irgendwer hatte schneller, als ich denken konnte, die Sanitäter alarmiert. Sie hievten Gabi auf eine Trage und rannten filmreif quer über den riesigen Platz, zum Zelt mit dem Doktor. Muss ein Bild für Götter gewesen sein: eine Tragbahre, an jeder ihrer vier Ecken ein Rotkreuz-Mann, daneben ich, mittrabend, Gabis Hand haltend. Die Massen teilten sich und ließen uns anstandslos durch. Der Arzt hatte Gabi rasch wieder auf dem Damm, war wohl wirklich nur eine vorübergehende Attacke in Sachen schwerer Begeisterung.
Noch nicht ganz bei sich, aber der Sprache bereits wieder mächtig, japste mir Gabi vom Krankenbett aus zu:
Bring ma den Billy her!
Völlig unmöglich, antwortete ich ein wenig beunruhigt und zuckte mit den Schultern, denn der sang gerade draußen No man´s land.
Anyway. Heute Früh also wieder einmal Billy Joel, nach vielen Jahren. Um nicht zu sagen: Jahrzehnten. Hallo Gabi, falls du das hier liest: Fest am 2. Juni, du bist herzlich eingeladen: Vienna waits for you.
Hat mich aber prompt nach früher versetzt, als ich in der Spätpubertät meiner zu Ende gehenden Zwanziger Billy Joel tatsächlich mochte und ihn manchmal rauf und runter hörte. Erinnere mich nicht mehr so gerne daran, heute bin ich mehr für Irish Working Class Punk oder so. Aber ich weiß noch, wie ich mit Gabi, einer Ex-Studienkollegin, extra von Wien nach Salzburg fuhr. Zu einem Joel-Open-Air am Residenzplatz.
Schon unterwegs befeuerte ein Freund mit Terrassen-Wohnung gleich vor Ort ums Eck unseren Enthusiasmus: Er rief an, hielt einfach den Telefonhörer in die Luft und irgendwo bei St. Pölten kriegten wir live einige Takte der letzten Tonprobe mit. Ich gab meinem braven VW Golf gleich den Tritt und floored the gas like the accelerator of a 64-Corvette, um es im Joel-Sprech zu sagen.
Das Konzert war der Hammer, allerdings weniger der Musik wegen. Gabi, die durchaus hochseriös sein kann (so begleitete sie mich etwa jüngst erst als ausgezeichnete Dolmetscherin zu einer Recherche nach Triest) gab nämlich im besten Beatles-Girlie-Style w.o.
Bereits während der langen Wartezeit auf Herrn Joel, die wir am voll befüllten Residenzblatz verbrachten, setzte sie als vermutlich größter Fan aller Zeiten sorgfältig gekreischte Billy-Rufe in Richtung Menge ab. Dann Auftritt, mittendrin sah ich einmal zu ihr rüber, sie war glücklich, dann sah ich auf die Bühne, dann sah ich wieder zu ihr rüber, sie war weg. Kam mir im ersten Moment komisch vor, denn bei so vielen Menschen, alle dicht gedrängt, gab es einfach keine Möglichkeit, sich in zwei Sekunden in Luft aufzulösen. Als ich mir das noch überlegte, bildete sich plötzlich ein Halbkreis, die Menge wich vor mir wie von Geisterhand geschoben zurück. Weil ich weiß, dass ich weder Jesus noch die Dornfingerspinne bin, wunderte mich das schon. Ich sah nach unten und da lag Gabi, frisch kollabiert vor lauter Joel-Begeisterung.
Aber die lieben Leute!
Irgendwer hatte schneller, als ich denken konnte, die Sanitäter alarmiert. Sie hievten Gabi auf eine Trage und rannten filmreif quer über den riesigen Platz, zum Zelt mit dem Doktor. Muss ein Bild für Götter gewesen sein: eine Tragbahre, an jeder ihrer vier Ecken ein Rotkreuz-Mann, daneben ich, mittrabend, Gabis Hand haltend. Die Massen teilten sich und ließen uns anstandslos durch. Der Arzt hatte Gabi rasch wieder auf dem Damm, war wohl wirklich nur eine vorübergehende Attacke in Sachen schwerer Begeisterung.
Noch nicht ganz bei sich, aber der Sprache bereits wieder mächtig, japste mir Gabi vom Krankenbett aus zu:
Bring ma den Billy her!
Völlig unmöglich, antwortete ich ein wenig beunruhigt und zuckte mit den Schultern, denn der sang gerade draußen No man´s land.
Anyway. Heute Früh also wieder einmal Billy Joel, nach vielen Jahren. Um nicht zu sagen: Jahrzehnten. Hallo Gabi, falls du das hier liest: Fest am 2. Juni, du bist herzlich eingeladen: Vienna waits for you.
Dienstag, 15. Mai 2012
Laura anrufen
Die (für ihren Job wohl doch zu) junge Dame muss sich immer mit bösen Unterstellungen herumschlagen. Da wird man sicher leicht einmal unentspannt.
So soll Laura Rudas etwa nach ihrem Auto-Feuerunfall vor ein oder zwei Wochen zunächst bei der Zeitung "Österreich" und erst dann bei der Feuerwehr angerufen haben, was aber vermutlich tatsächlich nur ein blödes Gerücht ist. Eigenartig ist es allerdings, dass zuerst Österreich über den Feuer-Zwischenfall und jetzt "Heute" über den nächsten Autounfall der SPÖ-Geschäftsführerin schrieb. So eine Art paritätische Berichterstattung jener Medien, wie sie von der jungen Gauklertruppe rund um den Bundeskanzler bevorzugt werden. Riecht schon ein wenig nach Inszenierung, aber egal.
Jedenfalls, ich habe meine eigene Erfahrung mit der jungen Frau Laura gemacht. Die hatte nämlich ein Dankesvideo an die Freiwillige Feuerwehr Pöchlarn geschickt, das natürlich prompt seinen Weg auf YouTube fand (Sie können sich´s hier ansehen). Dieses ist so hanebüchen gestrickt, dass man als PR-Berater empfehlen müsste: Laura Rudas sollte öffentliche Auftritte aller Art lieber meiden, die freie oder abgelesene Rede ist ihre Domäne nicht. Sie ist wohl mehr eine Kraft für das Back Office. Als Politik-Journalist müsste man hoffen: Sie wird doch nicht wirklich so sein, wie sie in dem seltsamen Stück rüberkommt!
Wir haben im Format eine Meldung dazu gebracht - ja, ich weiß schon, nicht ganz die feine Klinge, es ginge wohl auch seriöser. Aber wie viel Grandezza braucht´s jemandem gegenüber, der sich für Autounfälle in Österreich und Heute abfeiern lässt? In der steht jedenfalls auch, wie im Internet ein wenig Spott und Hohn über das Video-Ding und seine Hauptdarstellerin ausgegossen werden.
An sich teilen ja Politiker ganz gern und auch ganz gut aus, da ist Rudas nicht anders. Sollte anzunehmen sein, dass man umgekehrt beim Einstecken von Kritik nicht allzu zart besaitet ist. Aber die Seele ist ein weites Land, und bei Laura Rudas dürfte sie zusätzlich ein zartes Pflänzlein sein. Prompt rief sie in der Redaktion an und beschwerte sich heftig. Nicht bei mir, sondern bei einem ihr halbwegs halbwegs bekannten Kollegen. Ich weiß nicht, was sie ihm gesagt hat, aber er war danach ein bissl fertig.
Ich twitterte Lauras Beschwerde. Prompt klingelte des Kollegen Handy erneut, die SPÖ-Bossin regt sich scheinbar ganz gerne telefonisch auf (warum nicht bei mir, der ich in beiden Fällen immerhin der Autor war: ich weiß es nicht). Um dem armen Kollegen einen Gefallen zu tun, löschte ich den Tweet.
Und rief meinerseits bei Rudas an, um ihr a) zu sagen, sie soll den doch in Ruhe lassen und sich im Bedarfsfall bei mir direkt melden (ich lasse mir bei solchen Gelegenheiten übrigens weniger gefallen). Und b) um ihr vorzuschlagen, sich auf einen Kaffee zu treffen und die Sache bei einem Gespräch aus der Welt zu schaffen. Wie man das unter zivilisierten Menschen eben so handhabt.
Ich musste ihr das alles in die Mailbox diktieren, denn sie hat nicht einmal abgehoben. Zurückgerufen auch nicht. Man beschwert sich halt leicht und schnell, während schulmäßiges Vorgehen in der politischen Pressearbeit eher keine Kategorie zu sein scheint. Vielleicht lernt man das im Politikwissenschaft-Studium auch einfach nicht.
Macht aber nichts, ich muss nicht um alles in der Welt mit Laura sprechen, die ich ja persönlich gar nicht kenne. Tweets löschen werde ich aber auch nicht mehr. Vielleicht erzähle ich Ihnen ja sogar bei nächster Gelegenheit einmal, was Siri vom iPhone aus dem Sprachbefehl "Laura Rudas anrufen" macht...
Glauben Sie mir: Wenn Sie das hören, werden Sie recht lachen müssen. Laura wahrscheinlich nicht so.
So soll Laura Rudas etwa nach ihrem Auto-Feuerunfall vor ein oder zwei Wochen zunächst bei der Zeitung "Österreich" und erst dann bei der Feuerwehr angerufen haben, was aber vermutlich tatsächlich nur ein blödes Gerücht ist. Eigenartig ist es allerdings, dass zuerst Österreich über den Feuer-Zwischenfall und jetzt "Heute" über den nächsten Autounfall der SPÖ-Geschäftsführerin schrieb. So eine Art paritätische Berichterstattung jener Medien, wie sie von der jungen Gauklertruppe rund um den Bundeskanzler bevorzugt werden. Riecht schon ein wenig nach Inszenierung, aber egal.
Jedenfalls, ich habe meine eigene Erfahrung mit der jungen Frau Laura gemacht. Die hatte nämlich ein Dankesvideo an die Freiwillige Feuerwehr Pöchlarn geschickt, das natürlich prompt seinen Weg auf YouTube fand (Sie können sich´s hier ansehen). Dieses ist so hanebüchen gestrickt, dass man als PR-Berater empfehlen müsste: Laura Rudas sollte öffentliche Auftritte aller Art lieber meiden, die freie oder abgelesene Rede ist ihre Domäne nicht. Sie ist wohl mehr eine Kraft für das Back Office. Als Politik-Journalist müsste man hoffen: Sie wird doch nicht wirklich so sein, wie sie in dem seltsamen Stück rüberkommt!
Wir haben im Format eine Meldung dazu gebracht - ja, ich weiß schon, nicht ganz die feine Klinge, es ginge wohl auch seriöser. Aber wie viel Grandezza braucht´s jemandem gegenüber, der sich für Autounfälle in Österreich und Heute abfeiern lässt? In der steht jedenfalls auch, wie im Internet ein wenig Spott und Hohn über das Video-Ding und seine Hauptdarstellerin ausgegossen werden.
An sich teilen ja Politiker ganz gern und auch ganz gut aus, da ist Rudas nicht anders. Sollte anzunehmen sein, dass man umgekehrt beim Einstecken von Kritik nicht allzu zart besaitet ist. Aber die Seele ist ein weites Land, und bei Laura Rudas dürfte sie zusätzlich ein zartes Pflänzlein sein. Prompt rief sie in der Redaktion an und beschwerte sich heftig. Nicht bei mir, sondern bei einem ihr halbwegs halbwegs bekannten Kollegen. Ich weiß nicht, was sie ihm gesagt hat, aber er war danach ein bissl fertig.
Ich twitterte Lauras Beschwerde. Prompt klingelte des Kollegen Handy erneut, die SPÖ-Bossin regt sich scheinbar ganz gerne telefonisch auf (warum nicht bei mir, der ich in beiden Fällen immerhin der Autor war: ich weiß es nicht). Um dem armen Kollegen einen Gefallen zu tun, löschte ich den Tweet.
Und rief meinerseits bei Rudas an, um ihr a) zu sagen, sie soll den doch in Ruhe lassen und sich im Bedarfsfall bei mir direkt melden (ich lasse mir bei solchen Gelegenheiten übrigens weniger gefallen). Und b) um ihr vorzuschlagen, sich auf einen Kaffee zu treffen und die Sache bei einem Gespräch aus der Welt zu schaffen. Wie man das unter zivilisierten Menschen eben so handhabt.
Ich musste ihr das alles in die Mailbox diktieren, denn sie hat nicht einmal abgehoben. Zurückgerufen auch nicht. Man beschwert sich halt leicht und schnell, während schulmäßiges Vorgehen in der politischen Pressearbeit eher keine Kategorie zu sein scheint. Vielleicht lernt man das im Politikwissenschaft-Studium auch einfach nicht.
Macht aber nichts, ich muss nicht um alles in der Welt mit Laura sprechen, die ich ja persönlich gar nicht kenne. Tweets löschen werde ich aber auch nicht mehr. Vielleicht erzähle ich Ihnen ja sogar bei nächster Gelegenheit einmal, was Siri vom iPhone aus dem Sprachbefehl "Laura Rudas anrufen" macht...
Glauben Sie mir: Wenn Sie das hören, werden Sie recht lachen müssen. Laura wahrscheinlich nicht so.
Samstag, 12. Mai 2012
Die personifizierte Transparenz
Ich mag Karlheinz Kopf, den Klubchef der ÖVP im Parlament. Denn immer wenn der Mann öffentlich auftritt, gibt er dem einfachen Staatsbürger Gelegenheit, hinter die Kulissen zu blicken. Ein Bild davon zu erhalten, wie er als Wähler von der Politik an der Nase herumgeführt wird.
Kopf scheint von einem Selbstverständnis beflügelt, das ihn gar nicht erst daran denken lässt, allzu viel zu verschleiern. Und wenn doch, dann agiert er dabei geradezu transparent. Ich vermute: In seiner Denkwelt kommt es einfach nicht vor, dass Politik auch anders handhabbar sein könnte, die Staatsbürger nicht bloß Stimmvieh, die Republik kein Selbstbedienungsladen für Parteien.
Heute im Standard, wieder einmal ein großartiges Interview - danke Kollege Völker, dass Sie Kopf sein lassen, wie er ist. Falls der das übrigens autorisiert hat, wovon ich ausgehe - Indiz für die obige Vermutung.
Thema verpflichtender Verhaltenkodex für ÖVP-Funktionäre zum Beispiel: Es könnte sein, dass ich eher in der Rolle sein werde, diese neuen Regeln zu erklären, sagt Kopf auf die Frage, ob er die Seminare als Teilnehmer besuchen wird. Na, danke - wenn einer wie Kopf die Handhabung des Verhaltenskodex erklärt, kann man sich denken, welche Wirkung der nicht haben wird.
Denn auch wenn Kopf sagt: Die zehn Gebote reichen nicht. Für ihn selbst reicht nicht einmal die Verfassung: Der Mann war mehrere Jahre lang Geschäftsführer einer Schweizer Firma, obwohl ihm das als Klubchef einer Parlamentspartei durch ein Verfassungsgesetz explizit verboten gewesen wäre. Damit von Format und meineabgeordneten.at konfrontiert, ließ er seinen Sprecher zunächst alles abstreiten. Erst als ich ihm zu verstehen gab, dass ein Firmenbuchauszug vom Gericht in St. Gallen vorliegt, gab man die Sache zu: ein Versehen, leider. Und brachte schnell - mit jahrelanger Verspätung - alles in Ordnung. Was bloß wird Kopf den ÖVP-Funktionären erklären, wenn er ihnen die Handhabung des Verhaltenskodex auseinandersetzt?
In anderen Ländern treten Politiker, die keinem aufgesetzten Verhaltenskodex ihrer Partei folgen, sondern einem inneren, wegen so etwas zurück.
Da weiß man als Wähler doch auch gleich, was vom liebenswerten Vorstoß des braven Vizekanzlers und ÖVP-Chef zu halten sein wird. Ich glaube nicht, dass der mit der Verhaltenskodex-Idee in seiner eigenen Partei sehr ernst genommen wird. Denn Spindelegger sagte: Die Teilnahme wird für alle Parteifunktionäre verpflichtend sein. Klubchef Kopf sagt jetzt: Das gilt doch in erster Linie für jene, die neu sind oder neu kandidieren. Die alten Abgeordneten, von denen derzeit ja in Sachen Korruption einige in aller Munde sind, lässt die ÖVP also weitermachen wie bisher. Gut, dass wir das jetzt wissen.
Und der oberösterreichische Landeshauptmann, im Parteivorstand der Volkspartei vertreten und damit ganz sicher ein Funktionär, muss sich gar nicht erst in so einen Kurs setzen. Wenn es nach Kopf geht. Wenn es nach Spindelegger geht: schon. Aber in der ÖVP geht es vermutlich nicht nach Spindelegger.
Am besten gefällt mir ein Kopf-Zitat ganz am Schluss des Standard-Interviews. Es geht ums Aufmucken gegen Parteichefs. Bei uns revoltiert niemand, schwört Kopf. Genial, das sagt ausgerechnet der, ausgerechnet über die ÖVP. Ausgerechnet, nachdem gerade einer ihrer längst dienenden Abgeordneten im Parlament gegen seine eigene Partei gestimmt hat und aus Protest zurückgetreten ist. Und ausgerechnet in einem Interview sagt Kopf das, in dem er selbst seinem Parteichef ausrichten lässt, was von dessen Ankündigungen alles so nicht kommen wird.
Wie gesagt: Karlheinz Kopf, ich mag ihn. Auf seine ganz persönliche Art ist der Mann die personifizierte Transparenz.
Kopf scheint von einem Selbstverständnis beflügelt, das ihn gar nicht erst daran denken lässt, allzu viel zu verschleiern. Und wenn doch, dann agiert er dabei geradezu transparent. Ich vermute: In seiner Denkwelt kommt es einfach nicht vor, dass Politik auch anders handhabbar sein könnte, die Staatsbürger nicht bloß Stimmvieh, die Republik kein Selbstbedienungsladen für Parteien.
Heute im Standard, wieder einmal ein großartiges Interview - danke Kollege Völker, dass Sie Kopf sein lassen, wie er ist. Falls der das übrigens autorisiert hat, wovon ich ausgehe - Indiz für die obige Vermutung.
Thema verpflichtender Verhaltenkodex für ÖVP-Funktionäre zum Beispiel: Es könnte sein, dass ich eher in der Rolle sein werde, diese neuen Regeln zu erklären, sagt Kopf auf die Frage, ob er die Seminare als Teilnehmer besuchen wird. Na, danke - wenn einer wie Kopf die Handhabung des Verhaltenskodex erklärt, kann man sich denken, welche Wirkung der nicht haben wird.
Denn auch wenn Kopf sagt: Die zehn Gebote reichen nicht. Für ihn selbst reicht nicht einmal die Verfassung: Der Mann war mehrere Jahre lang Geschäftsführer einer Schweizer Firma, obwohl ihm das als Klubchef einer Parlamentspartei durch ein Verfassungsgesetz explizit verboten gewesen wäre. Damit von Format und meineabgeordneten.at konfrontiert, ließ er seinen Sprecher zunächst alles abstreiten. Erst als ich ihm zu verstehen gab, dass ein Firmenbuchauszug vom Gericht in St. Gallen vorliegt, gab man die Sache zu: ein Versehen, leider. Und brachte schnell - mit jahrelanger Verspätung - alles in Ordnung. Was bloß wird Kopf den ÖVP-Funktionären erklären, wenn er ihnen die Handhabung des Verhaltenskodex auseinandersetzt?
In anderen Ländern treten Politiker, die keinem aufgesetzten Verhaltenskodex ihrer Partei folgen, sondern einem inneren, wegen so etwas zurück.
Da weiß man als Wähler doch auch gleich, was vom liebenswerten Vorstoß des braven Vizekanzlers und ÖVP-Chef zu halten sein wird. Ich glaube nicht, dass der mit der Verhaltenskodex-Idee in seiner eigenen Partei sehr ernst genommen wird. Denn Spindelegger sagte: Die Teilnahme wird für alle Parteifunktionäre verpflichtend sein. Klubchef Kopf sagt jetzt: Das gilt doch in erster Linie für jene, die neu sind oder neu kandidieren. Die alten Abgeordneten, von denen derzeit ja in Sachen Korruption einige in aller Munde sind, lässt die ÖVP also weitermachen wie bisher. Gut, dass wir das jetzt wissen.
Und der oberösterreichische Landeshauptmann, im Parteivorstand der Volkspartei vertreten und damit ganz sicher ein Funktionär, muss sich gar nicht erst in so einen Kurs setzen. Wenn es nach Kopf geht. Wenn es nach Spindelegger geht: schon. Aber in der ÖVP geht es vermutlich nicht nach Spindelegger.
Am besten gefällt mir ein Kopf-Zitat ganz am Schluss des Standard-Interviews. Es geht ums Aufmucken gegen Parteichefs. Bei uns revoltiert niemand, schwört Kopf. Genial, das sagt ausgerechnet der, ausgerechnet über die ÖVP. Ausgerechnet, nachdem gerade einer ihrer längst dienenden Abgeordneten im Parlament gegen seine eigene Partei gestimmt hat und aus Protest zurückgetreten ist. Und ausgerechnet in einem Interview sagt Kopf das, in dem er selbst seinem Parteichef ausrichten lässt, was von dessen Ankündigungen alles so nicht kommen wird.
Wie gesagt: Karlheinz Kopf, ich mag ihn. Auf seine ganz persönliche Art ist der Mann die personifizierte Transparenz.
Donnerstag, 10. Mai 2012
Das Kalkühl
In der Steiermark lassen die selbsternannten Reformzwillinge Voves und Schützenhöfer sich als große Retter des Landes abfeiern. Dabei sind die steirischen Reformen, mit denen der Landeshauptmann und sein Stellvertreter in letzter Zeit mit geblähter Brust vor ihrem Steirervolk auf und ab stolzieren, bis jetzt nicht mehr als ein großer Bluff.
Fakt ist: Es gab in der Steiermark bisher eine Nulllohnrunde für Landesbedienstete und eine einzige Bezirkszusammenlegung. Sonst nur viel Gerede, Proteste und Ankündigungen. Tatsächlich getan hat sich in Sachen Umsetzung von Reformen aber genau nichts, null, nada, zero. Sie können das im Detail im neuen FORMAT nachlesen, das ab morgen am Kiosk ist.
Dafür macht die Steiermark als Folge des jahrelangen Missmanagements (unter der Verantwortung von Voves und Schützenhöfer) fleißig neue Schulden: 369 Millionen sind es heuer, nächstes und übernächstes Jahr wird es ungefähr gleich weitergehen. Ende 2014 wird die Steiermark mit über drei Milliarden in der Kreide stehen, mehr als die Hälfte ihres Jahresbudgets (und das ganze Familiensilber ist leider bereits verscherbelt). Dazu kommt noch das Schlagend werden einer Haftung über 700 Millionen für die Kages, die Krankenanstalten-Tochter des Landes.
Ich sage: 2014 wird die Steiermark de facto pleite sein. Blöde Geschichte, wo doch im Jahr darauf Landtagswahlen sind. Den Landeshauptmann kümmert das komischerweise wenig. Der könnte nämlich, vermute ich, unter Umständen einen wirklich kühlen Masterplan verfolgen.
Denkbares Szenario:
Im Herbst 2013 wird die SPÖ bei der Nationalratswahl verlieren und Kanzler Faymann gar nicht anders können, als zurückzutreten. Da gibt es dann in Österreich nur einen, der als Reformer gilt, immer eine gesunde Distanz zur Bundesregierung wahrte, es sowieso schon immer wusste, über ein Macher-Image verfügt und außerdem, das ist ja überhaupt das Wichtigste, eh voll total fesch ist. Also als Nachfolger ministrabel: Franz Voves.
Obwohl der in der Steiermark in Wahrheit als Reformer nichts reformiert, als Macher nichts gemacht, dafür als Pilot das Land an die Wand gefahren hat. Aber das werden die Steirer eben erst 2014 merken, wenn ihr Landeshauptmann bereits als SPÖ-Chef und (wir wollen ja hoffen, das UHBP nicht den Unsäglichen mit der Regierungsbildung beauftragt) als Bundeskanzler in Wien sitzt. Mit dem desaströsen steirischen Erbe kann sich ein Nachfolger herumschlagen, unter dem das Voves-Debakel dann aufpoppt - und dem es wohl auch von der für gewöhnlich mit wenig Durchblick ausgestatteten breiten steirischen Masse angelastet werden wird.
Ein richtig kühles Kalkül.
Und weil eben das Wahlvolk, fürchte ich jedenfalls, in Österreich und vor allem in der Steiermark nur selten lichte Momente hat, könnte die Sache glatt funktionieren. Vielleicht ist Voves ja, sollte das tatsächlich sein Plan sein und er ihn konsequent verfolgen, doch ein Macher.
Fakt ist: Es gab in der Steiermark bisher eine Nulllohnrunde für Landesbedienstete und eine einzige Bezirkszusammenlegung. Sonst nur viel Gerede, Proteste und Ankündigungen. Tatsächlich getan hat sich in Sachen Umsetzung von Reformen aber genau nichts, null, nada, zero. Sie können das im Detail im neuen FORMAT nachlesen, das ab morgen am Kiosk ist.
Dafür macht die Steiermark als Folge des jahrelangen Missmanagements (unter der Verantwortung von Voves und Schützenhöfer) fleißig neue Schulden: 369 Millionen sind es heuer, nächstes und übernächstes Jahr wird es ungefähr gleich weitergehen. Ende 2014 wird die Steiermark mit über drei Milliarden in der Kreide stehen, mehr als die Hälfte ihres Jahresbudgets (und das ganze Familiensilber ist leider bereits verscherbelt). Dazu kommt noch das Schlagend werden einer Haftung über 700 Millionen für die Kages, die Krankenanstalten-Tochter des Landes.
Ich sage: 2014 wird die Steiermark de facto pleite sein. Blöde Geschichte, wo doch im Jahr darauf Landtagswahlen sind. Den Landeshauptmann kümmert das komischerweise wenig. Der könnte nämlich, vermute ich, unter Umständen einen wirklich kühlen Masterplan verfolgen.
Denkbares Szenario:
Im Herbst 2013 wird die SPÖ bei der Nationalratswahl verlieren und Kanzler Faymann gar nicht anders können, als zurückzutreten. Da gibt es dann in Österreich nur einen, der als Reformer gilt, immer eine gesunde Distanz zur Bundesregierung wahrte, es sowieso schon immer wusste, über ein Macher-Image verfügt und außerdem, das ist ja überhaupt das Wichtigste, eh voll total fesch ist. Also als Nachfolger ministrabel: Franz Voves.
Obwohl der in der Steiermark in Wahrheit als Reformer nichts reformiert, als Macher nichts gemacht, dafür als Pilot das Land an die Wand gefahren hat. Aber das werden die Steirer eben erst 2014 merken, wenn ihr Landeshauptmann bereits als SPÖ-Chef und (wir wollen ja hoffen, das UHBP nicht den Unsäglichen mit der Regierungsbildung beauftragt) als Bundeskanzler in Wien sitzt. Mit dem desaströsen steirischen Erbe kann sich ein Nachfolger herumschlagen, unter dem das Voves-Debakel dann aufpoppt - und dem es wohl auch von der für gewöhnlich mit wenig Durchblick ausgestatteten breiten steirischen Masse angelastet werden wird.
Ein richtig kühles Kalkül.
Und weil eben das Wahlvolk, fürchte ich jedenfalls, in Österreich und vor allem in der Steiermark nur selten lichte Momente hat, könnte die Sache glatt funktionieren. Vielleicht ist Voves ja, sollte das tatsächlich sein Plan sein und er ihn konsequent verfolgen, doch ein Macher.
Montag, 7. Mai 2012
Wie der Pfirsichkern zum Lutz kommt
Beim Reformieren der Steiermark sind sie nicht wirklich superschnell unterwegs, auch wenn sich der Landesha Voves und sein Stellver Schützenhöfer gerne als die "Reformzwillinge" abfeiern lassen. Beim Eröffnen hingegen sind die zwei (die ich persönlich ja mehr für Reformzwerge halte) so richtig Speedy Gonzales.
Heute folgte ich nur so zum Spaß einmal ihrer Einweihungsspur. Früher Morgen, Burghof in Graz: Der Landeshauptmann, sein Stellvertreter und ein paar Pflichtadabeis aus der Entourage (sogar die Justizmini war mit von der Partie, weiß der Himmel warum) weihten einen bronzenen Pfirsichkern ein (Bild: Stadt Graz / Foto Fischer).
Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Pfirsichkern.
Weil irgendein seltsamer Vogel glaubt, herausgefunden zu haben, dass exakt an jener Stelle, an der das Ding nun steht, der Mittelpunkt von Graz ist. Mittelpunkt, Kern, Pfirsich - können Sie folgen? Künstlerische Umsetzung halt, in Graz sind sie der Meinung, so etwas ist kreativ.
Wenig später trudelt die nächste Presseaussendung in die Mailbox: Zu Mittag eröffneten der Landesvoves und sein Schützenvize ein Rüsthaus der Feuerwehr in Mariazell (Bild: Land Steiermark / Life Pictures). Auch wichtig, sicher alles echt schwer wiegende Reformvorhaben. Kein Wunder, dass den beiden da nicht mehr soviel Zeit bleibt, sich um die sozialen Anliegen ihrer Bürger zu kümmern, die nach den vielen blindwütigen Kürzungen der vergangenen Monate auf der Strecke bleiben.
Ich wollte natürlich auch noch beobachten, was die Reformzwillinge am Nachmittag alles eröffnen würden, verlor sie wegen ihres haarsträubenden Tempos jedoch prompt aus den Augen.
Also beschäftigte ich mich näher mit dem Kern in der Grazer Mitte. Der steirische Landespressedienst liefert dankenswerterweise in seiner Jubelaussendung gleich eine Anleitung, wie man den Punkt, welcher der Kern der Stadt sein soll, überhaupt finden konnte. Und das ging so:
Verbindet man die Eckpunkte, schreibt der Landespressedienst (alles in allem schon ein bissl eine Gauklertruppe), des Vierecks rund um die Grenzen des Grazer Gemeindegebietes mittels Diagonalen, so erhält man an deren Schnittpunkt in Folge den
Mittelpunkt der Landeshauptstadt Graz. Das berechnete Zentrum ist mittels einer gravierten Aluminiumscheibe exakt im dritten Hof der Grazer Burg gekennzeichnet und niveaugleich auf der Asphaltfläche befestigt.
Aber Niveau, gleich! So etwas spornt mich nämlich an. Ich hab es nachgeprüft und leider, liebe Leute: Weil ihr vermutlich die Termini "Viereck" und "Rechteck" oder meinetwegen "Quadrat" ein wenig durcheinander gebracht habt (ich selbst bin ja auch kein großer Mathematiker): Macht man es exakt wie von euch angegeben, landet man woanders. Und I am terribly sorry, euch mitteilen zu müssen: Der Mittelpunkt von Graz liegt nach eurer Methode genau in einem Möbelhaus der Firma Lutz (die Position des Kerns ist am Foto in etwa durch das rote A markiert, während sich die Diagonalen ziemlich genau im XXXLutz kreuzen).
Blöde Geschichte, echt. Aber die Familie Putz aus der Werbung wird das sicher freuen, wenn demnächst der Landeshauptmann vorbei schaut und für die Korrektur-Einweihung den großen Pfirsichkern mitbringt...
Heute folgte ich nur so zum Spaß einmal ihrer Einweihungsspur. Früher Morgen, Burghof in Graz: Der Landeshauptmann, sein Stellvertreter und ein paar Pflichtadabeis aus der Entourage (sogar die Justizmini war mit von der Partie, weiß der Himmel warum) weihten einen bronzenen Pfirsichkern ein (Bild: Stadt Graz / Foto Fischer).
Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Pfirsichkern.
Weil irgendein seltsamer Vogel glaubt, herausgefunden zu haben, dass exakt an jener Stelle, an der das Ding nun steht, der Mittelpunkt von Graz ist. Mittelpunkt, Kern, Pfirsich - können Sie folgen? Künstlerische Umsetzung halt, in Graz sind sie der Meinung, so etwas ist kreativ.
Wenig später trudelt die nächste Presseaussendung in die Mailbox: Zu Mittag eröffneten der Landesvoves und sein Schützenvize ein Rüsthaus der Feuerwehr in Mariazell (Bild: Land Steiermark / Life Pictures). Auch wichtig, sicher alles echt schwer wiegende Reformvorhaben. Kein Wunder, dass den beiden da nicht mehr soviel Zeit bleibt, sich um die sozialen Anliegen ihrer Bürger zu kümmern, die nach den vielen blindwütigen Kürzungen der vergangenen Monate auf der Strecke bleiben.
Ich wollte natürlich auch noch beobachten, was die Reformzwillinge am Nachmittag alles eröffnen würden, verlor sie wegen ihres haarsträubenden Tempos jedoch prompt aus den Augen.
Also beschäftigte ich mich näher mit dem Kern in der Grazer Mitte. Der steirische Landespressedienst liefert dankenswerterweise in seiner Jubelaussendung gleich eine Anleitung, wie man den Punkt, welcher der Kern der Stadt sein soll, überhaupt finden konnte. Und das ging so:
Verbindet man die Eckpunkte, schreibt der Landespressedienst (alles in allem schon ein bissl eine Gauklertruppe), des Vierecks rund um die Grenzen des Grazer Gemeindegebietes mittels Diagonalen, so erhält man an deren Schnittpunkt in Folge den
Mittelpunkt der Landeshauptstadt Graz. Das berechnete Zentrum ist mittels einer gravierten Aluminiumscheibe exakt im dritten Hof der Grazer Burg gekennzeichnet und niveaugleich auf der Asphaltfläche befestigt.
Aber Niveau, gleich! So etwas spornt mich nämlich an. Ich hab es nachgeprüft und leider, liebe Leute: Weil ihr vermutlich die Termini "Viereck" und "Rechteck" oder meinetwegen "Quadrat" ein wenig durcheinander gebracht habt (ich selbst bin ja auch kein großer Mathematiker): Macht man es exakt wie von euch angegeben, landet man woanders. Und I am terribly sorry, euch mitteilen zu müssen: Der Mittelpunkt von Graz liegt nach eurer Methode genau in einem Möbelhaus der Firma Lutz (die Position des Kerns ist am Foto in etwa durch das rote A markiert, während sich die Diagonalen ziemlich genau im XXXLutz kreuzen).
Blöde Geschichte, echt. Aber die Familie Putz aus der Werbung wird das sicher freuen, wenn demnächst der Landeshauptmann vorbei schaut und für die Korrektur-Einweihung den großen Pfirsichkern mitbringt...
Samstag, 5. Mai 2012
Schiffe und Häuser
Schon kühl, wenn die Schiffe größer als die Häuser sind (Bild: Screenshot Website "Il Piccolo"). Dabei ist es ja nicht so, dass die Triestiner Palazzi an den Rive kleine Hütten wären. Die großen Schifffahrts-Versicherungsgesellschaften von früher ließen sich seinerzeit bei der Erbauung nicht lumpen und jetzt stehen die Protzbauten eben da, säumen die Piazza Unità und lassen sich von Touristen bestaunen.
Aber dann kommt immer wieder einmal ein Schiff, und zwar ein richtig großes. So eines, wie es derzeit immer noch vor Giglio aus dem Meer ragt. Und legt an. Da sehen die bürgerlichen Paläste dann gleich ein wenig nach Lego aus.
Ich konnte das vor ein paar Jahren einmal im Original beobachten, die "Costa Ponente" schwappte gerade ein. Muss wohl eine Art Schwesterschiff der gerade gesunkenen "Costa Concordia" sein - vermutlich allerdings mit fähigerem Käptn. Der Mann meisterte das Anlegemanöver an das nicht wirklich riesige Triestiner Passagier-Dock mit Bravour. Auf der Piazza Unità ziehen sie bei solchen Gelegenheiten immer Flaggen hoch und an Sonntagen tritt sogar eine Kapelle auf. Volksfeststimmung, ein wenig zumindest. Jedenfalls Spektakel.
Einmal sah ich auch einen italienischen Flugzeugträger hier vor Anker, die "Garibaldi" (Bild: Website www.navytrieste.com). Aber da war ich enttäuscht, das Ding ist nämlich vergleichsweise winzig.
Nicht, dass ich im Leben schon Flugzeugträger en masse gesehen hätte. Aber selbst das schwimmende Museum im Hudson River bei der 40. Straße in New York ist größer, obwohl bereits uralt. Und vor langer Zeit saß ich einmal nichts ahnend an einem Felsen bei Palermo und blickte aufs Meer, als weit draußen eines der amerikanischen Ungetüme vorbei wischte (man hatte damals gerade wieder ein kleines Kriserl mit Herrn Gadaffi). Selbst aus sicher 20 Kilometern Entfernung war der Koloss noch riesig.
Und bei all dem fällt mir jetzt auf: Seit mich das Format dichter an einen Redaktionsschreibtisch fesselt, als ich das gewohnt bin, sehe ich deutlich weniger Meer und Schiffe, als mir gut tut. Was dagegen unternehmen? Ich glaube, als quasi-Sofortmaßnahme werde ich demnächst wieder ein, zwei Tage in Triest einschieben. Und außerdem auch Dublin wieder besuchen oder so, the emerald isle halt. Kommt ja bald Pfingsten.
Und bis dahin schau ich mir eben die Reportagen im "Piccolo" an...
Aber dann kommt immer wieder einmal ein Schiff, und zwar ein richtig großes. So eines, wie es derzeit immer noch vor Giglio aus dem Meer ragt. Und legt an. Da sehen die bürgerlichen Paläste dann gleich ein wenig nach Lego aus.
Ich konnte das vor ein paar Jahren einmal im Original beobachten, die "Costa Ponente" schwappte gerade ein. Muss wohl eine Art Schwesterschiff der gerade gesunkenen "Costa Concordia" sein - vermutlich allerdings mit fähigerem Käptn. Der Mann meisterte das Anlegemanöver an das nicht wirklich riesige Triestiner Passagier-Dock mit Bravour. Auf der Piazza Unità ziehen sie bei solchen Gelegenheiten immer Flaggen hoch und an Sonntagen tritt sogar eine Kapelle auf. Volksfeststimmung, ein wenig zumindest. Jedenfalls Spektakel.
Einmal sah ich auch einen italienischen Flugzeugträger hier vor Anker, die "Garibaldi" (Bild: Website www.navytrieste.com). Aber da war ich enttäuscht, das Ding ist nämlich vergleichsweise winzig.
Nicht, dass ich im Leben schon Flugzeugträger en masse gesehen hätte. Aber selbst das schwimmende Museum im Hudson River bei der 40. Straße in New York ist größer, obwohl bereits uralt. Und vor langer Zeit saß ich einmal nichts ahnend an einem Felsen bei Palermo und blickte aufs Meer, als weit draußen eines der amerikanischen Ungetüme vorbei wischte (man hatte damals gerade wieder ein kleines Kriserl mit Herrn Gadaffi). Selbst aus sicher 20 Kilometern Entfernung war der Koloss noch riesig.
Und bei all dem fällt mir jetzt auf: Seit mich das Format dichter an einen Redaktionsschreibtisch fesselt, als ich das gewohnt bin, sehe ich deutlich weniger Meer und Schiffe, als mir gut tut. Was dagegen unternehmen? Ich glaube, als quasi-Sofortmaßnahme werde ich demnächst wieder ein, zwei Tage in Triest einschieben. Und außerdem auch Dublin wieder besuchen oder so, the emerald isle halt. Kommt ja bald Pfingsten.
Und bis dahin schau ich mir eben die Reportagen im "Piccolo" an...
Dienstag, 1. Mai 2012
Mann im Kanal liebt Österreich
Am Tag der Arbeit sollst du ruhen. Dabei war ich heute schon ordentlich unterwegs und habe mich zwecks Recherche vor Ort bei den Wiener Maiaufmärschen ein wenig quetschen lassen. Dafür am Nachmittag dann kleine Pause von der Redaktionsarbeit. Sitze jetzt immer gerne am Donaukanal, schaue dem vielen Wasser beim Fließen zu. Ersatz für den Platz beim Spanish Arch in Galway, wo der Corrib in die Galway Bay fließt, man mit ein wenig Glück dem Fischreiher Bertie zusehen kann und rundherum nicht die hässliche Stadt ist, sondern dear old Ireland. Zwei Jahre war ich dort schon nicht mehr.
Jedenfalls, komisch: Wenn ich jetzt so sitz am trüben Wiener Wasser, schießen mir seltsame Dinge in den Kopf. Heute zum Beispiel der Gedanke an den perfekten Moment. Finde ja, das wäre eine Buchidee - oder zumindest eine spannende Website: Menschen erzählen von jenen singulären Augenblicken in ihrem Leben, an denen alles im Einklang war. Glücklich, wer je so einen hatte. Ich: ja. Irgendwann im Mai vor mittlerweile 14 Jahren, als mein Leben kurz ein Lottogewinn war. Habe von dieser Fährfahrt hinüber nach Giglio eh schon im Blog vom 16. Jänner erzählt.
Heute noch könnte ich den idiotischen Job bei der geisteskranken Telekom-Firma verfluchen, von dem ich mich damals aus dem Leben nehmen habe lassen und der alles kaputt machte. Und die Deppen unter den Menschen, mit denen ich es dort zu tun hatte. Ich bin ja sonst nicht der Aggressivste, aber wenn ich daran denke... Naja, einige Nette waren auch dabei.
Egal. Vor ein paar Tagen gab´s am Donaukanal übrigens einen Besoffenen zu beobachten, der ins Wasser fiel. I geh unta, schrie er, während er dümpelte und seine Saufkumpane oben am Kai interessiert zusahen. Der Mann schaffte es zu einer Leiter, kletterte triefend nach oben, machte auf halber Höhe halt und drehte den Kopf zur Schwedenbrücke. Ich liebe Österreich, brüllte er aus vollem Herzen, winkte den Passanten zu, stieg dann weiter aufwärts und setzte sich oben wieder zu seinen besoffenen Kollegen. Er griff sich eine neue Bierflasche und trank ungerührt weiter.
Jedenfalls, komisch: Wenn ich jetzt so sitz am trüben Wiener Wasser, schießen mir seltsame Dinge in den Kopf. Heute zum Beispiel der Gedanke an den perfekten Moment. Finde ja, das wäre eine Buchidee - oder zumindest eine spannende Website: Menschen erzählen von jenen singulären Augenblicken in ihrem Leben, an denen alles im Einklang war. Glücklich, wer je so einen hatte. Ich: ja. Irgendwann im Mai vor mittlerweile 14 Jahren, als mein Leben kurz ein Lottogewinn war. Habe von dieser Fährfahrt hinüber nach Giglio eh schon im Blog vom 16. Jänner erzählt.
Heute noch könnte ich den idiotischen Job bei der geisteskranken Telekom-Firma verfluchen, von dem ich mich damals aus dem Leben nehmen habe lassen und der alles kaputt machte. Und die Deppen unter den Menschen, mit denen ich es dort zu tun hatte. Ich bin ja sonst nicht der Aggressivste, aber wenn ich daran denke... Naja, einige Nette waren auch dabei.
Egal. Vor ein paar Tagen gab´s am Donaukanal übrigens einen Besoffenen zu beobachten, der ins Wasser fiel. I geh unta, schrie er, während er dümpelte und seine Saufkumpane oben am Kai interessiert zusahen. Der Mann schaffte es zu einer Leiter, kletterte triefend nach oben, machte auf halber Höhe halt und drehte den Kopf zur Schwedenbrücke. Ich liebe Österreich, brüllte er aus vollem Herzen, winkte den Passanten zu, stieg dann weiter aufwärts und setzte sich oben wieder zu seinen besoffenen Kollegen. Er griff sich eine neue Bierflasche und trank ungerührt weiter.
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